Interview

Interview

Im März 2018 traf ich Mike D. in einem Düsseldorfer Café am Rhein.
Es war ein sehr aufschlussreiches und intensives Gespräch.

Mike: Hallo Gini, schön, dass du da bist. Du siehst wie immer toll aus.

Gini: Hallo Mike. Ja ich dachte mir man sollte die Gelegenheit beim Schopf packen. Wir haben uns lange nicht gesehen.

Mike: Das stimmt. Du hast dich im Vergleich zu unserem letzten Treffen nun gar nicht verändert. Bis auf deine Haarfarbe, die dir wunderbar steht. Erinnert mich an die Gini von den Anfangszeiten. Damals hattest du auch braune Haare.

Gini: Ja richtig (lach) Ganz am Anfang, als ich als Profifemdom anfing war ich brunette. Darauf war ich viele Jahre blond und vor ca. 2 Jahren wechselte ich wieder zu brunette. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf das ständige Ansatzfärben und was viele vielleicht nicht wissen, dunkelbraun ist meine Naturhaarfarbe.

Mike:  Das klingt ja fast so als ob dieser Prozess mit deiner Haarfarbe auch ein Prozess mit dir selbst und deinem inneren zu tuen hat.

Gini: Ja, das kann man so sagen. Für eine Frau hat das wechseln der Frisur, Haarfarbe, Haarlänge etc. fast immer mit ihrem Inneren ich und ihren Lebensphasen zu tuen. Was mich betrifft, würde ich sagen, ich habe mich in den letzten Jahren geerdet und gefunden. Ich habe verschiedene Phasen durchlebt, und durchlebe immer noch Veränderungen und lerne nie aus. Ich erfinde mich quasi weiterhin immer wieder neu und sehe die Dinge aus verschiedenen Blickfeldern.

Mike: Hat sich deine Art der Dominanz und die Art deines BDSM-Spiels auch geändert?

Gini: Nun, tatsächlich hat sich die Art, wie ich eine Session gestalte und die Art und Weise, wie ich meine Dominanz nach Außen trage geändert, ich würde sagen , weiter entwickelt. Doch im Kern ist dieses ganze Szenario doch ich, wie ich immer war und bin. Keine Session gleicht der Anderen, was ja auch völlig selbstverständlich ist, denn kein Mensch gleicht dem Anderen und jeder für sich ist ein Individuum. Somit ist auch jede Session individuell.

Mike: Du sagtest deine Dominanz und dein Spiel in einer BDSM-Session haben sich weiter entwickelt. Liege ich richtig, mit der Annahme, dass BDSM und dein Beruf als Domina für dich mehr ist als nur ein Job?

Gini: Genau. Ich würde sagen, es ist mein natürlicher Charakterzug, weshalb ich heute Domina bin. BDSM in all seinen Facetten ist meine Leidenschaft und ich wäre nicht ich selbst, wenn ich ein anderes Lebenskonzept hätte. Dann würde ich mich in der Tat belügen und meine natürliche Leidenschaft würde nicht ausgelebt. Ich würde demnach meiner Natur wiedersprechen und nicht tuen, was ich will, was zur Folge hätte, dass ich nicht ich selbst wäre. Ein furchtbarer Gedanke.

Mike: Du bist insbesondere bekannt als Latexherrin und Latexfetishistin. Als Rubberdoll Gini hast du in der Vergangenheit viele Gäste in das Thema und Material Latex eingeführt. Wie ist das heute?

Gini: Natürlich empfange ich auch heute jede Menge Latexfetishisten und mache Neulinge mit dem Thema vertraut. Meine Garderobe beherbergt außerdem viel mehr Latexoutfits und ich bekomme auch heute nicht genug von Latex (lach). Latex steht für mich nach wie vor im Fokus und ist der Fetisch , indem ich am meisten aufgehe. Ich freue mich immer wieder sehr auf lange ausgedehnte Latexsessions. Warum lange Latexsessions? Weil ich da mein gesamtes oder wenigstens einen Großteil meines Resumes ausfahren kann und man bei langen Latexsessions in eine Art Rausch kommt und das Material Latex so voll und ganz ausgekostet werden kann.

Mike: Wenn du so über Latex sprichst, merkt man, dass das deine persönliche Leidenschaft ist. Was hat es mit deinem Namen „Rubberdoll” auf sich? Viele gehen von einer devoten, passiven Rolle aus, wenn sie „Rubberdoll” hören. Du bist meines Erachtens nach die erste Dame im Profifemdom Bereich, die sich selbst als Rubberdoll bezeichnet.

Gini: In der Tat ist es so, dass die Rubberdolls sprich Gummipüppchen, die Probanten genannt wurden, die eine Latexfeminisierung durch geführt haben. Diese wurden dann zur Rubberdoll erzogen und dienten dann als Gummiobjekt. Tatsächlich wurde ich schon öfters darauf angesprochen. Ich nenne mich Rubberdoll um erstens meinen persönlichen Latexfetisch zu unterstreichen und im Zusammenhang mit mir selbst, ist das Wort „Rubberdoll” wortwörtlich gemeint „Gummipuppe”. Also sinnbezogen: Eine schöne Frau in Latex. Da ich auch gerne Sessions, bei denen ich komplett in Latex – mit Catsuit, Masken, Handschuhe etc, habe, dachte ich umschreibt der Begriff „Rubberdoll” mich am besten.

Mike: Sehr interessant. Wobei, ich mir so etwas in der Art schon gedacht habe. Mir ist aufgefallen, dass seit einiger Zeit auch immer wieder der Name „Miss Gini Ginelli” im Zusammenhang mit dir auftaucht.

Gini: Wie ich eben bereits sagte, ich erfinde mich stetig neu und Miss Gini Ginelli ist eine Art Ableger meiner Person. Eine klassische Version von der Gini, die ich sonst bin. Miss Gini Ginelli ist eine Diva , eine Herrscherin, die böse Königin in einem Märchen. Miss Gini Ginelli – das bin ich. Sie ist ein Teil von mir, den ich in der Vergangenheit nicht genau zu definieren wusste. Doch nachdem ich in mich kehrte und mich geerdet und gefunden habe fand ich auch diesen kalten und düsteren Teil von mir. Ich entschied, sie einfach sein zu lassen, sowie die anderen Facetten meiner Persönlichkeit. Es ist nicht alles schwarz oder weiß es gibt auch grau.

Mike: Wow, ich finde es immer wieder interessant mit dir zu sprechen, Gini. Im Gespräch merkt man, dass du eine sehr intelligente junge Dame bist, die sich wirklich Gedanken macht und sich ihrer selbst bewusst ist. Weiter so!